26.02.2005
  Ich hoffe wir haben alle den sportlichen Schock vom vergangenen Donnerstag verarbeitet. Das Ausscheiden im UEFA-Cup war eigentlich überraschend, ich war eigentlich felsenfest vom Weiterkommen überzeugt. Doch man muss auch die Klasse des Gegners akzeptieren und in den zwei Spielen haben sie sich als starke Mannschaft präsentiert. Unser Team hat nicht zu Ihrem Spiel gefunden, viel Abspielfehler im Aufbau brachten dem Gegner immer wieder leichte Ballgewinne und leider konnten wir auch nicht genügend Druck aufbauen. Man hat eine riesige Chance verspielt, da man eigentlich davon ausgehen durfte, die nächste Runde auch zu überstehen. Dann hätte schon das Viertelfinale gerufen. Aber es ist wie es ist und wir müssen uns jetzt auf die Meisterschaft und den DFB-Pokal konzentrieren. Das sind wieder zwei richtungsweisende Spiele und ich hoffe auf überzeugende Siege um den Bayern Druck zu machen und im Pokal weiter zu kommen. Die Mannschaft hat spielerisch sicherlich das Zeug dazu und mit Marcelo Bordon steht ja hoffentlich ein absoluter Leistungsträger zur Verfügung. Er ist für mich ein absoluter Garant für die bisher so erfolgreiche Saison.

Das Spiel der Amas gegen LR Ahlen wird leider morgen ausfallen. Der Platz in der Glück-Auf-Kampfbahn ist nicht bespielbar und da die Profis am morgigen Nachmittag ja ein Heimspiel in der Arena haben, können wir leider nicht vorher auf dem Kunstrasen am Parkstadion spielen.

Jetzt hoffen wir also auf zwei erfolgreiche Spiele gegen Hannover und haben dann die Möglichkeit nach zwei Titeln in diesem Jahr zu greifen. Das ist zwar noch ein weiter Weg, aber träumen darf man wohl noch.

Buyo

 
23.02.2005
  Ich möchte mich bei allen Schalkern recht herzlich bedanken, für die Unterstützung und Aufmunterung während der letzten 3 ½ Wochen. Es gingen unzählige Gästebucheintragungen auf meiner Internet-Seite ein, die meiner Familie und mir in dieser ernsten Situation Kraft gespendet haben. Ich kam noch nicht dazu alle zu lesen, werde dies aber auf jeden Fall noch machen. Schon auf der Intensivstation konnte ich, weil ein Nachbar mir alle Einträge von 2 Tagen ausdruckte, die ersten Mails lesen. Dort war ich aber in einer Verfassung die mir, beim lesen der Einträge, nur die Tränen in die Augen trieb.

Nun möchte ich das ganze Geschehen der letzten Wochen einmal aus meiner Situation beschreiben. Es fing eigentlich alles mit einem Magen- und Darmvirus an. Nach zwei Tagen bin ich dann in ein Oberhausener Krankenhaus, da man einen Zusammenhang mit meinem letzten Knieeingriff ausschließen wollte. Dort verbrachte ich dann eine Nacht auf der Intensivstation.

Am folgenden Tag wurde ich dann ins Bochumer Bergmannsheil- Krankenhaus verlegt. Mit Blaulicht ging es die A 40 runter in Richtung Bochum. Dort angekommen, legte man mich auf die dortige Intensivstation. Der behandelnde Arzt, Dr. Kutscher sagte mir, dass ich Glück hätte, weil sein Spezialgebiet Sepsis wäre, er aber nicht wüsste ob er mein Bein retten könnte oder ob man es versteifen müsste. Das war mir aber eigentlich auch ganz egal, ich hatte nur noch den Wunsch meine Familie wieder zu sehen. Dann schob man mich in den OP und von den folgenden 6 Tagen habe ich dann, bedingt durch das künstliche Koma, nichts mitbekommen.

Im Nachhinein habe ich dann halt erfahren, dass sie mich an diesem Samstag zweimal operieren mussten, einmal halt am Knie und Stunden später noch einmal am Bauch. Man hat 17 Liter Flüssigkeit in mich reingepumpt, Organe arbeiteten nicht mehr vernünftig, ich wurde an eine Dialyse angeschlossen, Blut aus der Konserve gab es, u.s.w. Donnerstags bin ich dann aus diesem künstlichen Koma geholt worden. Erst ab diesem Zeitpunkt habe ich halt wieder bewusst etwas mitbekommen und zu diesem Zeitpunkt stabilisierte sich mein Zustand ja schon wieder. Wenn ich dann im nachhinein lese, dass ich so gut wie Tod war und meine Überlebenschance bei weniger als einem 1% lag, wird mir anders und ich bin nur froh wieder bei meiner Familie zu sein. Doch an diesem Donnerstag musste ich mich zuerst einmal an die neue Situation gewöhnen, überall verkabelt zu sein, teilweise mit 8 Infusionen und über 4 weitere große Spritzen versorgt zu werden. Bei jeder falschen Drehung fängt es irgendwo an zu bimmeln und dann noch einen Schlauch in der Nase und in der Luftröhre um beatmet zu werden. Glücklicherweise besserte sich mein Zustand dann kontinuierlich und so wurde dann am folgenden Sonntag schon der Schlauch aus der Luftröhre gezogen, was vieles erleichterte.

Nun wurde ich täglich von weiteren Schläuchen befreit und durfte sogar das erste Mal mein Bett verlassen. Ich hätte nie gedacht, wie anstrengend es sein kann, nur in einem Stuhl zu sitzen. Am Montag musste ich dann da erste Mal aufstehen, bei einer Chefarztvisite und unter den Augen des Prof. Muhrs ( ein Spitzenarzt) und bestimmt weiteren 10 – 12 Ärzten seiner Gefolgschaft. Da wollte ich bloß nicht versagen, da natürlich ein sicheres Aufstehen meine Verlegung auf eine normale Station beschleunigen könnte, und so musste ich mich zusammenreißen, brachte das irgendwie hinter mich und war danach so kaputt, das ich sofort wieder ins Krankenbett wollte. Nachmittags ging ich dann schon das erste Mal, unter Mithilfe eines Pflegers, über den Flur.

Dienstag wurde ich von allen Sachen befreit und als ich dann am Mittwoch dem Professor auf dem Gang der Intensivstation entgegenlief, veranlasste er eine Verlegung auf eine normale Station. Dort konnte ich auch endlich wieder schlafen, auf der Intensivstation habe ich in den ganzen Tagen zusammen vielleicht 3 Stunden geschlafen. Es lag vielleicht an den verabreichten Medikamenten oder an dem ewigen Alarm der Gerätschaften bei jeder Körperbewegung, aber ich konnte einfach nicht pennen. Das wurde aber zum Glück jetzt besser und mein aufgedunsener Körper verlor auch immer mehr eingelagertes Wasser, sodass sich bis auf meinen Kreislauf- der immer noch nicht so Belastbar ist- mein Zustand normalisierte.

Seit Montag vor einer Woche bin ich nun aus dem Krankenhaus raus, ich lasse es sehr ruhig angehen. Gerade mein Ehrgeiz immer schnell fit zu werden hat mich vielleicht auch in diese kritische Situation gebracht, nun möchte ich mir alle Zeit dieser Welt geben um wieder fit zu werden. Es kann noch Wochen dauern, gerade an meinem Knie hat man großflächig geschnitten und die Wunde heilt deshalb sehr schlecht und es wird vielleicht auch noch Wochen dauern bis die Wunde richtig geschlossen ist, aber das ist mir egal.

Ich habe Zeit und wenn man schon einmal an der Himmelstür angeklopft hat und man glücklicherweise keine Verwendung für mich hatte und mir stattdessen eine 2. Chance gab, nimmt man sich einfach die Pause die man braucht. Ich habe viel Glück gehabt, Sepsis ist eine der häufigsten Todesursachen bei uns, und ich bin einem da oben sehr dankbar für mein zweites Leben. Dr. Thorsten Rarreck, unser Schalker Mannschaftsarzt, hat sich super um mich gekümmert. Er war bei meinen Operationen dabei, war immer auf dem laufenden und stand meiner Familie zur Seite. Ich halte ihn nicht nur für einen sehr guten Arzt, sondern auch für einen fabelhaften Menschen.

Ich möchte mich aber auch bei den hervorragenden Ärzten und Pflegern bedanken, die mich bei meinem Kampf unterstützt haben und einen genialen Job gemacht haben. Bei den vielen Fans, die für mich gebetet und mit mir gehofft haben und ihr Mitgefühl mit Sprechchören und Plakaten in Rostock und gegen Wolfsburg gezeigt haben, bei meinen Freunden und meiner Familie, die sich um mich gesorgt haben und meiner Frau und mir in dieser schwierigen Phase geholfen haben. Glücklicherweise haben unsere beiden Kinder nicht von der ganzen Problematik mitbekommen, für die beiden war der Papa einfach wieder wegen seinem Knie im Krankenhaus, so wie 6 mal zuvor in den vergangenen 12 Monaten.

Schlussendlich gilt der größte Dank meiner Frau. Sie hat in diesen Tagen wahnsinniges geleistet und eine große Stärke bewiesen. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft und das was sie für mich gemacht hat, werde ich nie wieder gut machen können. Es ist schön wieder zu Hause, im Kreis seiner Familie zu sein, die Kinder beobachten zu können, einfach nur das Leben zu spüren. Ich musste erkennen, wie leicht man aus dem Leben gerissen werden kann und sehe jetzt vieles mit anderen Augen. Sollte ich das alles körperlich und seelisch verarbeitet haben, so werde ich bestimmt gestärkt und weiter gereift durch mein weiteres Leben gehen. Nur jetzt gibt es erst einmal noch Schongang bis zur vollständigen Genesung.

Danke für Euer Mitgefühl und bis bald,

Buyo

Ich habe feststellen dürfen, dass es die Schalker Familie wirklich gibt. Ob Vorstand, Amateurabteilung, andere Abteilungen, Eurofighter, ehemalige Mitspieler, aktuelle Mitspieler und Anhänger unseres Vereins, alle haben Sie zu mir gestanden und dafür nochmals, „herzlichen Dank“ !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!