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1. Runde FC Schalke 04 - Roda Kerkrade 3:0 (2:0) |
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Der erste internationale Auftritt nach 19 Jahren. Das Stadion war ausverkauft und das Spiel begann schon um 16 Uhr.
Roda wurde von Huub Stevens trainiert und Marco van Hoogdalem spielte mit. Mit der ersten Aktion brachten wir das
Publikum auf unsere Seite. Direkt nach dem Anstoß der Holländer setzte Youri zu einer Fluggrätsche an. Durch solche
Aktionen setzt man Zeichen. Der Gegner weiß sofort was los ist. Wir führten früh durch Tore von Willi und Youri. Ingo
machte dann das dritte und wir konnten uns beruhigt die Spiele der anderen deutschen Teilnehmer anschauen.
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1. Runde Roda Kerkrade - FC Schalke 04 2:2 (1:1) |
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Da es im Stadion von Kerkrade wenige Sitzplätze gab, wurden Stehränge mittels Sitzkissen in Sitzplätze umgewandelt.
Nach dem 3:0 aus dem Hinspiel wollten wir im Rückspiel nichts mehr anbrennen lassen. Das Spiel begann sogar schon um 14
Uhr . Ein Europacup-Feeling konnte da kaum aufkommen. Wir gingen durch David Wagner in Führung, damit war eigentlich
schon alles klar. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich, schoss Willi das 2:1 und spätestens da war die Moral der
Niederländer gebrochen.
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2. Runde FC Schalke 04 - Trabzonspor 1:0 (0:0) |
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Im Vorfeld dieses Spiels war im Kartencenter die Hölle los, türkische Mitbürger belagerten die Geschäftsstelle. Sie
kauften die Karten in großen Mengen und so beschloss der Vorstand den Verkauf der Tickets zu reglementieren. Wenige Tage
vor der Partie wurde Jörg Berger entlassen. Ich kam nicht zum Einsatz, da Huub Stevens nur noch mit einem Spieler auf
der linken Seite spielen wollte. Er entschied sich für Ingo und so war ich draußen. In der ersten Halbzeit haben die
Türken ganz stark gespielt, besonders Abdullah spielte genial. Er war auf der linken Seite unheimlich gut. Mindestens
30.000 Türken im Stadion und die Fans machten auch noch ein riesiges Spektakel. Von der Stimmung erinnerte das mehr an
ein Auswärtsspiel. Martin Max köpfte in der 2. Halbzeit zum 1:0. Eine von wenigen Möglichkeiten wurde durch ihn genutzt.
Wir kamen zu einem glücklichen Sieg, bedeutend war aber das zu Null.
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2. Runde Trabzonspor - FC Schalke 04 3:3 (0:2) |
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Man sprach im Vorfeld von der Hölle von Trabzon. Am Spieltag wurden wir durch die Hotelleitung schon um 6 Uhr geweckt,
alles natürlich nur ein Versehen. Man versuchte uns mit allen Mitteln aus der Konzentration zu bringen. Die Stimmung im
Stadion war auch vor dem Spiel sehr hitzig. Johan de Kock schoss aber in der ersten Halbzeit schon zwei Tore und brachte
uns 2:0 in Front. Die Türken drehten den Spieß aber noch mal um und führten plötzlich 3:2. Hami schoss dabei zwei Tore
und bei uns begann das große Zittern. Martin Max rettete uns aber mit dem 3:3 und so zogen wir überglücklich in die
nächste Runde. Auf dem Rückflug nahmen wir noch einen Fan mit. Der Junge war von einer hohen Mauer im Stadion gesprungen
und hatte sich dabei beide Beine gebrochen. Jupp Schnusenberg hatte große Probleme mit seinem Kreislauf und musste von
unserem Arzt Dr. Langhorst versorgt werden. Ich habe mir den Frust über mein Dasein als Reservist mit einigen
alkoholischen Getränken runter gekippt. Zweimal musste ich auf das Bord-WC rennen - es muss wohl am Bordessen gelegen
haben!!!
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Achtelfinale Club Brügge - FC Schalke 04 2:1 (1:0) |
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Eine persönliche Art von Auferstehung. Mein erstes Spiel von Beginn an unter Huub Stevens. Am Spieltag begann es gegen
Mittag an zu schneien und ich wollte unbedingt meine Chance nutzen. Ich war so heiß auf dieses Spiel und schon im ersten
Zweikampf an der Mittellinie flogen die Fetzen. Ich war sofort in diesem Spiel und dann noch dieser Boden. Der
Fußballgott meinte es sehr gut mit mir an diesem Tag. Ich suchte jeden Zweikampf und mein Trikot war zur Pause total
durchnässt. Ich fror wie ein Schneider und auch der heiße Tee konnte daran nichts ändern. Brügge führte 1:0 und wir
bekamen in der zweite Halbzeit einen Elfer. Olaf Thon suchte sich die rechte untere Ecke aus, doch Verlinden wehrte zum
Eckball ab. Ecke von der rechten Seite, van der Elst (?) klärt mit dem Kopf, der Ball fällt mir am 16er vor den Fuß.
Ich nehme den Ball per Dropkick und er schlägt in den linken Giebel ein. Diesen Moment werde ich wohl nie vergessen. Ein
Sprint zur linken Eckfahne und grenzenloser Jubel folgte. Brügge erzielte noch das zweite Tor. Durch das Auswärtstor
waren wir aber noch gut im Rennen.
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Achtelfinale FC Schalke 04 - Club Brügge 2:0 (1:0) |
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Beim Rückspiel regnete es in Strömen, der Rasen im Parkstadion war tief. Wir waren von der ersten Minute an sehr bissig
und zeigten den absoluten Siegeswillen. Brügge konnte einfach nicht weiterkommen. Unsere Mannschaft war sehr kompakt und
daher kaum zu bezwingen. Wir haben solange auf Europacupspiele gewartet, da sollten uns auch die Belgier nicht aufhalten.
Wir hatten diesen besonderen Glanz in den Augen, die Fahrt sollte einfach weitergehen und wir wollten immer mehr. Martin
Max und Youri Mulder schossen die beiden Tore.
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Viertelfinale FC Schalke 04 - CF Valencia 2:0 (1:0) |
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In dieser Runde waren wir nur krasser Außenseiter, die Spanier gespickt mit Weltklassespielern. Valencia spielte in den
ersten Minuten wirklichen Traumfußball. Der Ball lief perfekt in ihren Reihen und wir hatten Glück, dass Thomas Linke
den Ball einmal von der Linie köpfen konnte.
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Viertelfinale CF Valencia - FC Schalke 04 1:1 (1:1) |
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In Valencia wurden die "las fallas" gefeiert. In jedem Stadtteil wurden meterhohe Puppen errichtet und zum Ende der
Festwochen verbrannt, außerdem detonierten Böller um die Geister zu vertreiben. Wir wollten uns aber nicht von den
Spaniern vertreiben lassen. Unsere Frauen waren mit von der Partie und schwärmten noch lange von der Stadt und diesem
Fest. Als Spieler bekommt man davon nichts mit. Wir wohnten außerhalb der Stadt und hörten nur gelegentlich die Böller.
In den spanischen Zeitungen war der Sieg für Valencia keine Frage. Weiterkommen war Pflicht und es wurde nur über die
Höhe unserer Niederlage diskutiert. Man sprach von der Hölle von Mestalla. Aber es sollte ganz anders kommen. Das Spiel
begann sehr gut für uns, Youri erzielte in der 19. Minute das 0:1. Valencia hätte nun vier Tore erzielen müssen. Doch
wir traten als Team sehr geschlossen auf und obwohl der Ausgleich noch in der ersten Halbzeit fiel (45. Minute), hatte
ich wenig Sorge um uns. Wir hatten einen so guten Lauf und sehr viel Selbstvertrauen. Die Mannschaft war gefestigt und
bereit um Geschichte zu schreiben. Ein Zuschauer bespuckte mich bei einem Einwurf. Das war mir aber egal, ich war im
Halbfinale des UEFA-Cups. Dafür kann man sich auch mal von einem Idioten bespucken lassen. Hinterher sprach Jorge
Valdano von "einer der stärksten Mannschaften Europas in der Defensive". Nach dem Spiel, es muss etwa 0.30 Uhr gewesen
sein, bekam ich noch ein Geburtstagsständchen zum 29. Geburtstag. Happy Birthday aus 5000 Kehlen, so viele Gäste standen
noch nie auf meiner Einladungsliste. Augenblicke, die man immer in Erinnerung behalten wird.
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Halbfinale CD Teneriffa - FC Schalke 04 1:0 (1:0) |
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Erstmals seit der Saison 1969/1970 stand wieder eine Schalker Mannschaft in einem Halbfinale des Europacups. Wir waren
nur noch ein Schritt vom Finale entfernt. Mit Teneriffa zogen wir den vermeintlich leichteren Gegner. Im anderen Spiel
standen sich der AS Monaco und Inter Mailand gegenüber.
Der Platz glich einem Grün auf einem Golfplatz, am Rasen konnte es nicht liegen. Wir mussten aber leider auf unsere
besten Stürmer verzichten. Martin und Youri verletzten sich drei Tage vor diesem wichtigen Spiel schwer. Radek und
Willi mussten nun im Sturm aushelfen. In der sechsten Minute gerieten wir durch einen umstrittenen Elfer in Rückstand.
In der Folgezeit hatten wir doch einige Probleme mit den Spaniern, gerade Juanele gab uns Rätsel auf. In der zweiten
Halbzeit kamen wir aber besser ins Spiel. Der Schiri gab Vivar Dorado die rote Karte und wir konnten uns endlich die
ersten Chancen erspielen, Willi traf die Latte, Ingo und Yves kamen ebenfalls zu Möglichkeiten.15 Minuten vor dem Ende
war der Ausgleich dann so nah. Nach einem Foul im 16 er musste der spanische Torwart vom Platz. Johan trat zum Elfer
gegen den Ersatztorhüter Anderson an und verschoss leider. Der Ball flog links am Tor vorbei. In diesem Moment brach
für mich eine Welt zusammen. Wir waren so nah dran, sollten wir vielleicht kurz vor dem ersten Ziel noch versagen? In
der restlichen Spielzeit gelang uns kein Tor mehr und wir mussten mit einer vermeidbaren Niederlage die Rückreise
antreten. Noch in der Kabine schworen wir uns aber wieder auf das Rückspiel ein. Mir war klar: Die hauen wir im
Parkstadion weg.
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Halbfinale FC Schalke 04 - CD Teneriffa 2:0 (0:0,1:0) n.V. |
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Die Euphorie in Gelsenkirchen war riesig. Die ganze Stadt, die ganze Region wollte ins Endspiel. Überall wurde nur noch
über uns gesprochen, es war als ob alle mitspielen wollten. Man hätte 200000 Karten verkaufen können.
Wir hatten bisher noch kein Gegentor in einem Heimspiel kassiert. Mit dieser disziplinierten Spielweise sollten wir
einfach ins Finale kommen. In der ersten Hälfe hatten wir schon einige gute Chancen, konnten sie aber leider nicht
nutzen. Wir mussten uns auf ein Geduldsspiel gefasst machen. Ein Tor hätte ja das Aus bedeuten können. Aus einer
sicheren Abwehr auf unsere Chance warten, so lautete unsere Devise. Die Null musste stehen.
Jetzt brachen auf den Rängen alle Dämme. "Steht auf, wenn Ihr Schalker seid" entstand in diesen Momenten. Die Zuschauer
wollten uns ins Finale peitschen. Die Stimmung war wahnsinnig, man bekam eine richtige Gänsehaut. Mit der sechsten oder
siebten Möglichkeit traf endlich Thomas Linke. Er wuchtete einen Eckball von Olaf ins Tor. Die Atmosphäre hätte in
keinem Stadion der Welt besser sein können. Wir schwammen auf einer großen Euphorie-Welle und mit diesen Fans im Rücken
waren wir durch keine andere Mannschaft schlagbar. Willi schoss uns in der Verlängerung ins Finale. Wieder ein Tor durch
eine Standardsituation. Da waren die Spanier verwundbar und wir nutzten es aus. Der Traum ging also weiter und es fehlte
nur noch ein winziger Schritt in die Geschichtsbücher und in den Fußballhimmel.
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Finale FC Schalke 04 - Inter Mailand 1:0 (0:0) |
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Für uns konnte es keinen besseren Gegner geben. Ein Finale gegen Inter, ganz Europa schaute auf uns. Schalke war jetzt
europaweit bekannt. Von einem Skandalclub zu einem Vorzeige-Verein, welch eine Entwicklung. Fast jedem von uns drohte
bei der nächsten gelben Karte eine Sperre. Wir schenkten den Italienern trotzdem nichts, kamen aber ohne Gelbsperre
davon. Mailand wollte im Hinspiel nur ein gute Ergebnis erzielen, sie spielten nicht auf Sieg. Sie machten wenig
Anstrengungen um ein Tor zu schießen, eine Partie ohne Gegentor war das Ziel. Ein Gegentor wäre auch für uns bitter
gewesen und so agierten beide Teams aus einer sicheren Abwehr heraus. Torchancen waren selten und so mussten wir alle
bis Mitte der 2. Halbzeit warten. Martin Max kam gerade für mich ins Spiel, da lief Willi mit dem Ball durch das
Mittelfeld und zog aus 25 Metern ab. Wie ein Strich flog der Ball an Pagliuca vorbei ins Tor. Grenzenloser Jubel im
Parkstadion, eigentlich war das kein Stadion mehr. Es war eine Festung. 11 Schalker auf dem Spielfeld und 55.000 auf den
Rängen verteidigten unseren Nimbus um jeden Preis. In sechs Heimspielen kassierten wir nicht ein Tor, es sollte der
Grundstock für einen gigantischen Erfolg sein. Das 1:0 war unser Wunschergebnis, mit dem Defensiv- verhalten aus den
vergangenen Spielen war alles drin. Auch die Mailänder waren guter Dinge.
Nach dem Spiel standen Zamorano und Pagliuca noch mit uns beim Bier. Im Raum von Flori Simon quatschten wir noch etwas. Mit Zamorano konnte man sich gut unterhalten, da seine erste Station in Europa St. Gallen war. Die Jungs waren von der Stimmung sehr angetan, als richtigen Gegner haben sie uns wohl noch nicht gesehen. Ein Sieg und damit der Gewinn des Europapokals nur noch Formsache.
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Finale Inter Mailand - FC Schalke 04 1:0 (0:0,1:0) n.V., 1:4 i.E. |
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An diesem Tag war ich felsenfest vom Cupsieg überzeugt. Wir hatten ja schon eine Hand am Pott . Die Entschlossenheit
war riesig. Im Eins-gegen-Eins-Vergleich waren wir chancenlos, als Team aber unschlagbar. Bergomi, Zanetti, Zamorano,
Ince, Pagliuca, Angloma, Sforza, u.s.w. - alles Nationalspieler und dagegen elf kleine Spieler aus dem Ruhrgebiet.
80.000 im Stadion, davon 55.000 die nach dem Spiel eine große Party feiern wollten. Es war alles angerichtet, den Sieg
im eigenen Stadion perfekt machen, gegen eine Mannschaft, deren Spieler in Italien keiner kannte. Sie machten aber die
Rechnung ohne uns. Wir waren stolz auf unsere bisherigen Erfolge und es fehlte nur noch ein kleiner Schritt. Wir wollten
in die Geschichtsbücher, den ersten internationalen Titel in der Historie. Durch einen Sieg konnten wir unsterblich werden.
Da wollten wir hin. Die Unterstützung der blau-weißen Wand im Stadion war immens. Als Schalker wurdest du überall
belächelst, keiner hat uns ernst genommen. Es ging auch um Anerkennung, ob auf der Zeche, im Büro oder auf dem Sportplatz,
endlich wurde uns auch Respekt entgegen gebracht. Kein Skandalclub mehr, sondern kurz vor einem gigantischen Triumph.
Wir versteckten uns nicht und wir kamen auch zu Torchancen. Aus meiner Sicht war es das Spiel meines Lebens. Pagliuca hielt in der ersten Halbzeit einen Freistoß von mir. Ich traf den Ball optimal, der Hund bekam aber irgendwie die Hände noch an die Kugel. In der zweiten Hälfte traf ich den Ball noch mal aus 20 m perfekt. Als Dropkick in Richtung des linken Winkels. Ich sah den Ball eigentlich schon im Tor, wieder konnte er retten. Hätte ich getroffen, ich würde wohl heute noch laufen. Ein Lasso würde zum einfangen nicht reichen. Hat aber nicht sollen sein. Zamorano hat wenige Minuten vor Schluss zum 1:0 für Inter getroffen. Der Lärm im Stadion war unbeschreiblich. Die Tifosis standen Kopf, man konnte sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Wir ließen unsere Köpfe aber nicht hängen. Jetzt erst recht. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit gab es noch eine Rote Karte für die Mailänder. In der Verlängerung hob Maurizio Ganz den Ball über Jens Lehmann hinweg, die Kugel wurde immer länger und länger. Glücklicherweise prallte er an die Querlatte und von dort genau vor meine Füße. Danach passierte bis zum Ende des Spiels nicht mehr viel. Das Elfmeterschießen stand an. Fünf Strafstöße entscheiden zwischen Himmel und Hölle. Ingo, Martin ,Olaf, Willi und Johan sollten uns zum Sieg schießen. Ich wurde auch gefragt. Da mein Schuh total kaputt war und mir der Arsch auf Grundeis ging, habe ich aber verzichtet. Bei Ingo war ich ganz sicher, er kennt keine Nerven. Martin und Thöni verwandelten auch sehr sicher. Nach Mailänder Fehlschüssen durch Winter und Zamorrano lag unser sportliches Schicksal in Willis rechtem Fuß. Ich konnte mir den Elfer nicht angucken, saß mit dem Rücken zum Tor. An der Reaktion unserer blau-weißen Wand wusste ich: Der Pott ist unser. Ich lief wie ein Verrückter durch das Stadion und konnte mein Glück kaum fassen. Wir gehörten jetzt zu den größten Mannschaften in Europa, ein Team ohne große Stars aber mit ganz viel Herz. Ich ziehe vor unseren Schützen den Hut und möchte mich hiermit bei den Jungs bedanken. Sie haben für den größten Augenblick in meiner Laufbahn gesorgt und Marc hat dafür immer einen gut bei mir. Nach dem Spiel blieb ich noch einige Zeit auf dem Platz. Mit Thomas Linke wollte ich unseren Sieg in aller Stille genießen, dadurch verpassten wir auch die Gratulationsgrüße von Berti Vogts und Egidius Braun. Den Sieg konnten wir noch nicht richtig realisieren. Sollte das alles nur ein Traum sein? Die Feierlichkeiten nach dem Spiel hielten sich aber in Grenzen. Wir fuhren schnell zum Flughafen und dann ging es sofort nach Köln. Einige Bier und Erinnerungsfotos mit dem Cup, das war es schon. Am Kölner Flughafen warteten die ersten Fans auf uns, sie wollten mit uns feiern und einmal den Pokal berühren. Nach wenigen Stunden Schlaf trafen wir uns um vor dem Hans-Sachs Haus, um mit allen Schalkern zu feiern. Nach fröhlichem Winken aus den städtischen Büros, fuhren wir in Cabrios zum Parkstadion. Im Schritttempo ging es durch die Stadt. Die Menschenmassen links und rechts, Freude pur, der gemeinsame Stolz war unverkennbar. Stolz auf das Erreichte und auf diesen Club. Trotz leichtem Regen warteten noch über 30.000 Fans im Stadion auf uns. Wir fuhren Ehrenrunden und Heiner Kördell sang zum Abschluss "Steht auf, wenn Ihr Schalker seid" Schalke ist ein ganz besonderer Verein, mit einer Stadt in der man Fußball lebt. Trotz der sehr hohen Arbeitslosenquote und den verbundenen Problemen würden viele wohl ihr letztes Hemd geben. Hier ist der Verein kein einfacher Bundesligist sondern ein Teil vom täglichen Leben.
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